Am 16. Oktober 2026 haben Front Office Sports und der Sportsoftwareanbieter Teamworks eine gemeinsame Erhebung unter dem Titel 'The State of AI in Sports 2026' veröffentlicht. Die Untersuchung analysiert detailliert den aktuellen Reifegrad sowie die finanzielle Ausstattung von Projekten mit künstlicher Intelligenz in nordamerikanischen Profiligen und im College-Sport. Befragt wurden hierfür Führungskräfte aus verschiedenen administrativen Ebenen und operativen Managementabteilungen. Die Verfasser zeichnen dabei das Bild einer Branche, die zwar gerne mit generativen Werkzeugen experimentiert, jedoch vor gravierenden strukturellen und budgetären Hürden steht.
Ein zentrales Resultat der Erhebung betrifft die unzureichende finanzielle Verankerung neuer Technologien in den Clubs und Verbänden. Lediglich 24 Prozent der befragten Sportorganisationen gaben an, über einen eigenen, dedizierten Etat für künstliche Intelligenz zu verfügen. Ein signifikanter Anteil von 38 Prozent greift stattdessen auf bestehende Budgets aus den Bereichen Informationstechnologie und allgemeiner Betrieb zurück, um Softwarelizenzen zu finanzieren. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass knapp 29 Prozent der befragten Manager überhaupt nicht angeben konnten, aus welchen internen Geldtöpfen ihre eingesetzte KI-Software tatsächlich bezahlt wird.
Neben den finanziellen Unklarheiten identifiziert die Erhebung tief sitzende Silo-Strukturen als wesentliches Hemmnis für eine erfolgreiche Digitalisierung. Die Implementierung neuer Softwaresysteme erfolgt in fast allen untersuchten Organisationen streng isoliert innerhalb der jeweiligen Fachabteilungen. So arbeiten Marketingabteilungen, Scouting-Teams und der athletische Stab häufig aneinander vorbei, ohne gemeinsame Schnittstellen zu nutzen. Wertvolle Datenbestände bleiben dadurch fragmentiert, wodurch potenzielle Synergien zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen ungenutzt verpuffen.
Die Analyse deckt zudem eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen alltäglichen Büroanwendungen und dem sportfachlichen Kerngeschäft auf. Große Sprachmodelle erfreuen sich für administrative Arbeitsabläufe, die interne Kommunikation sowie die allgemeine Texterstellung bereits einer breiten Beliebtheit. Dagegen befinden sich maßgeschneiderte, produktiv nutzbare Modelle im taktischen Bereich und in der Talentbeurteilung noch immer in einer deutlichen Minderheit. Viele Sportvereine scheuen offenkundig den hohen Entwicklungs- und Validierungsaufwand, der für verlässliche Modelle im Wettkampfbereich zwingend erforderlich ist.
Der Bericht unterstreicht, dass Sportorganisationen einen grundlegenden Wandel in ihrer Digitalisierungsstrategie vollziehen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ein ungeordneter Zukauf von Einzellösungen ohne transparente Budgetierung verhindert eine nachhaltige Verankerung moderner Datenanalysen im Spitzenbereich. Erst wenn Organisationen klare finanzielle Verantwortlichkeiten schaffen und abteilungsübergreifende Dateninfrastrukturen etablieren, können algorithmische Systeme ihr volles Potenzial entfalten. Bis dahin bleibt der Einsatz moderner Analysewerkzeuge im nordamerikanischen Profisport weitgehend auf oberflächliche Effizienzgewinne beschränkt.

