Auf dem Global Fintech Fest 2026 in Mumbai hat der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Pablo Hernández de Cos, eindringlich vor den systemischen Gefahren der aktuellen KI-Investitionswelle gewarnt. In seiner Grundsatzrede am 10. September 2026 zog der Spitzenökonom historische Parallelen zu früheren Spekulationsphasen wie dem Eisenbahnboom im 19. Jahrhundert oder der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende. Die BIZ fürchtet, dass das globale Finanzsystem unzureichend gegen plötzliche Rückschläge abgesichert ist, wenn sich die immensen Erwartungen an wirtschaftliche Renditen nicht erfüllen.
Im Zentrum der Warnung steht die historisch beispiellose Konzentration von Marktkapitalisierung und Risiken auf eine Handvoll dominanter Technologiekonzerne. Um die astronomischen Rechenkapazitäten und Chipbestände aufzubauen, greifen Hyperscaler und Halbleiterhersteller zunehmend auf Fremdkapital zurück. Sollten die operativen Gewinne aus KI-Anwendungen hinter den hochgesteckten Prognosen zurückbleiben, drohen nach Ansicht der BIZ empfindliche Schockwellen für die weltweiten Kredit- und Kapitalmärkte.
Besondere Besorgnis erregt bei den Währungshütern das Phänomen des sogenannten Circular Financing. Dabei finanzieren sich führende KI-Labore, Chiphersteller und Cloud-Infrastrukturanbieter über komplexe Kreuzbeteiligungen, Vorfinanzierungen und Abnahmeverträge faktisch gegenseitig. De Cos warnte in Mumbai ausdrücklich davor, dass solche zirkulären Geldflüsse die wahren Ansteckungsrisiken verschleiern. Bilanzen wirken dadurch stabiler, als sie es bei einem Einbruch der tatsächlichen Endkundennachfrage tatsächlich wären.
Darüber hinaus schafft die technologische Transformation gravierende methodische Probleme für die Geldpolitik der Notenbanken. Die massiven Produktivitätsversprechen von KI-Systemen erschweren laut der BIZ die verlässliche Berechnung zentraler volkswirtschaftlicher Kennziffern wie dem Produktionspotenzial und dem natürlichen Zins. Solange unklar bleibt, in welchem Umfang und Zeithorizont Produktivitätsgewinne tatsächlich realisiert werden, steigt für Zentralbanken das Risiko fehlerhafter Leitzinsentscheidungen.
Die Rede verdeutlicht einen grundlegenden Stimmungsumschwung bei internationalen Aufsichtsbehörden, die KI nicht mehr nur als operatives Effizienzwerkzeug betrachten. Stattdessen rücken die Hebelwirkungen traditioneller Bankbilanzen und die enge Verflechtung von Risikokapital mit systemrelevanten Finanzinstituten in den Fokus. Die BIZ mahnt Banken und Aufseher daher zu schärferen Stresstests, um die Verwundbarkeit gegenüber einer abrupten Preiskorrektur im Technologiesektor rechtzeitig zu begrenzen.

