Die Investitionen in deutsche Rechenzentren erleben im Jahr 2026 einen historischen Schub. Der Digitalverband Bitkom e. V. hat in Zusammenarbeit mit dem Borderstep Institut am 3. November 2026 seine neue Studie unter dem Titel 'Rechenzentren in Deutschland 2026: Zahlen, Trends und Perspektiven im internationalen Vergleich' vorgelegt. Demnach klettern die Gesamtausgaben für den Ausbau und die Ausstattung der Rechenzentren in diesem Jahr um 57 Prozent auf 23,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag dieses Investitionsvolumen noch bei 15 Milliarden Euro.
Ein genauerer Blick auf die Mittelverwendung zeigt, dass der Löwenanteil des Kapitals direkt in Rechenleistung und Speicherinfrastruktur fließt. Rund 18 Milliarden Euro der diesjährigen Gesamtinvestitionen entfallen auf IT-Hardware, darunter Server, spezialisierte KI-Beschleuniger und moderne Speicherkomponenten. Auf Gebäude und bauliche Basisinfrastruktur entfallen dagegen lediglich 5,5 Milliarden Euro. Diese Verteilung verdeutlicht den enormen Druck auf Betreiber, bestehende und neue Standorte mit hochdichter Rechentechnik für anspruchsvolle KI-Modelle auszustatten.
Der Wandel der operativen Arbeitslasten treibt diesen massiven Hardwarebedarf maßgeblich voran. KI- und High-Performance-Computing-Workloads beanspruchen bereits im Jahr 2026 rund 20 Prozent der gesamten deutschen Rechenzentrumskapazität. Bis zum Jahr 2035 soll dieser Anteil nach Berechnungen der Studienautoren auf 55 Prozent anwachsen. Generative Modelle und spezialisierte Trainingsprozesse verdrängen damit schrittweise klassische IT-Anwendungen und fordern vollkommen neu konzipierte Rechenzentrumsumgebungen.
Mit dieser Beschleunigung geht ein sprunghafter Anstieg des Energiebedarfs und der erforderlichen Netzkapazitäten einher. Die benötigte Anschlussleistung für deutsche Rechenzentren klettert von aktuell 3.300 Megawatt auf prognostizierte 9.700 Megawatt im Jahr 2035. Die reine KI-Anschlussleistung wächst in diesem Zeitraum von 670 Megawatt auf 5.300 Megawatt an. Parallel dazu wird sich der jährliche Stromverbrauch von heute 23 Milliarden Kilowattstunden bis 2035 auf 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden voraussichtlich verdreifachen.
Trotz dieser nationalen Zuwachsraten verdeutlicht der internationale Vergleich eine wachsende strategische Lücke. Während für Gesamteuropa bis 2035 lediglich eine Rechenzentrumskapazität von 37 Gigawatt prognostiziert wird, steuern die USA auf 160 Gigawatt zu. Auch China baut seine Kapazitäten massiv aus und wird laut der Erhebung bis 2035 voraussichtlich 90 Gigawatt erreichen. Deutschland verzeichnet zwar Rekordinvestitionen, verliert im weltweiten Rennen um KI-Infrastruktur jedoch weiter an Boden.

