Auf der Fachmesse IBC 2026 in Amsterdam haben führende Sporttechnologie-Anbieter umfassende Neuerungen für die Live-Regie und Spielberichterstattung vorgestellt. Im Zentrum der Präsentationen standen automatisierte Systeme, welche die enorme Flut an Spieldaten in Echtzeit analysieren und Inhalte parallel für unterschiedliche Plattformen aufbereiten. Zu den profiliertesten Neuvorstellungen zählten die Kernsuite OptaAI Studio von Stats Perform sowie eine gemeinsame Initiative des Technologieausrüsters FOR-A und des japanischen Senders Nippon TV. Beide Ansätze zielen darauf ab, den wachsenden Druck auf Medienhäuser zu mindern, die gleichzeitig traditionelle TV-Kanäle und mobile Zielgruppen bedienen müssen. Die vorgestellten Lösungen markieren einen Wandel hin zu vollständig automatisierten Workflows in den Regieräumen des internationalen Sports.
Stats Perform zeigte auf der Messe mit dem OptaAI Studio ein umfassendes Softwarepaket, das eigens für professionelle Sportligen und Rundfunkanstalten entwickelt wurde. Die Plattform führt vier spezialisierte KI-Module namens Opta Search, Opta Live, Opta Graphics und Opta Pulse in einer zentralen Benutzeroberfläche zusammen. Konzipiert ist die Suite für Sportarten mit besonders hoher Ereignisdichte, darunter Spitzenfußball, Basketball und Rugby. Anstatt Spieldaten erst nach dem Schlusspfiff auszuwerten, nimmt das System die Rohdaten direkt während der Begegnungen auf. Dadurch können Sendeanstalten statistische Besonderheiten und taktische Nuancen ohne zeitliche Verzögerung in ihre Live-Berichte einbinden.
Eine zentrale Eigenschaft von OptaAI Studio ist die extrem geringe Latenzzeit, die von der Datenaufnahme bis zur Bildschirmausgabe im Sub-Sekunden-Bereich liegt. Auf Basis dieser unmittelbaren Taktung erstellt die Plattform vollautomatische Redaktionsberichte und bereitet komplexe statistische Ausreißer in Sekundenbruchteilen auf. Gleichzeitig generiert das System dynamische grafische Datenvisualisierungen und synchronisiert passende Videoausschnitte mit den jeweiligen Ereignissen. Für Redaktionsteams entfällt damit das zeitaufwendige manuelle Zusammensuchen relevanter Szenen bei Spielunterbrechungen oder in der Halbzeitanalyse. Die Software isoliert taktische Muster autonom und liefert Inhalte in einer Qualität aus, die direkt auf Sendung gehen kann.
Einen komplementären Schwerpunkt setzten FOR-A und Nippon TV mit dem globalen Rollout ihrer Plattform viztrick AiDi für Sportübertragungen. Die Kooperation brachte zwei spezialisierte Werkzeuge hervor, die unter den Namen Go Vertical! AiDi und AiDi Sports Hub im Rahmen der IBC vorgestellt wurden. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht die automatisierte Transformation von klassischen Querformaten in hochkantige Videoformate für Mobiltelefone. Bislang erforderten vertikale Livestreams auf Social-Media-Kanälen meist separate Kamerasysteme oder aufwendiges manuelles Nachschneiden in Echtzeit. Mit dem neuen System soll dieser Arbeitsaufwand drastisch reduziert werden, ohne dass die visuelle Qualität der mobilen Sportübertragung leidet.
Das Produkt Go Vertical! AiDi setzt direkt an der Bildverarbeitung an und nutzt On-Device-KI sowie Computer-Vision-Algorithmen für den Videoschnitt. Die Software empfängt das reguläre horizontale 16:9-Signal und wandelt es bei einer Latenz von unter einer Sekunde in ein natives 9:16-Format um. Hierbei verfolgt der Bilderkennungs-Algorithmus völlig autonom den Ball sowie die für das jeweilige Spielgeschehen entscheidenden Athleten auf dem Feld. Dieser dynamische Zuschnitt stellt sicher, dass wesentliche Aktionen stets zentriert im Bildausschnitt der Smartphone-Nutzer verbleiben. Das System verhindert, dass entscheidende Pässe, Tore oder Zweikämpfe durch starre Ausschnittsmasken aus dem Sichtfeld geraten.
Parallel dazu fungiert AiDi Sports Hub als intelligentes Werkzeug zur visuellen Anreicherung der erzeugten Hochkant-Signale. Das System blendet kontextbezogene Informationsgrafiken, Spielstände und aktuelle Matchphasen automatisiert in das vertikale Videobild ein. Das Regieteam muss diese Grafiken nicht mehr separat layouten oder manuell anstoßen, da die Software die Spielzustände eigenständig erkennt und visualisiert. In der Praxis können Medienunternehmen dadurch mit einem einzigen Produktionsteam gleichzeitig hochwertige Hauptübertragungen und optimierte Mobil-Streams betreiben. Die Neuvorstellungen aus Amsterdam verdeutlichen, wie maschinelle Bilderkennung und Echtzeitanalysen die operative Trennung zwischen Fernsehen und mobilen Medien schrittweise auflösen.

