Anthropic hat die offiziellen System-Prompts für Claude auf claude.ai und in den mobilen Applikationen umfassend aktualisiert, was auch das Modell Fable 5.1 betrifft. Die im System-Prompt-Repository des Unternehmens dokumentierten Richtlinien markieren eine deutliche Verschärfung der internen Verhaltensregeln. Anstatt sich ausschließlich auf das nachträgliche Modell-Alignment zu stützen, setzt das Unternehmen nun auf strikte Systeminstruktionen, um rechtliche Risiken im Umgang mit urheberrechtlich geschützten Inhalten drastisch zu verringern.
Die auffälligste Neuerung betrifft den Urheberrechtsschutz von Texten und Musikwerken. Das Modell verweigert nun ausnahmslos die Wiedergabe von Songtexten, Gedichten sowie Auszügen aus Büchern und Zeitschriften, selbst wenn Nutzer lediglich einzelne Zeilen, Refrains oder Melodienoten anfordern. Von dieser Blockade sind ausschließlich Werke ausgenommen, die vor dem Jahr 1929 veröffentlicht wurden. Sobald Claude eine solche Anfrage in einer laufenden Sitzung ablehnt, greift zudem eine Schutzregel, die auch alle nachfolgenden, umformulierten Anfragen im selben Chatverlauf sperrt.
Ergänzend zu reinen Textzitaten erstreckt sich die Zensur jetzt explizit auf technische Annäherungen an Bildinhalte. Claude darf urheberrechtlich geschützte Charaktere, Unternehmenslogos und Grafiken nicht mehr über Programmiersprachen oder Vektorgrafikformate wie SVG nachbilden. Mit dieser Klarstellung unterbindet Anthropic eine beliebte Methode aus der Entwickler-Community, bei der Beschränkungen klassischer Bildgeneratoren durch die Erzeugung von Vektordaten oder prozeduralem Render-Code umgangen wurden.
Parallel dazu überarbeitete Anthropic den Kommunikationsstil der KI, um ein sachlicheres Auftreten zu erzwingen. Floskeln wie honestly oder genuinely wurden dem Modell explizit untersagt, um den Eindruck vorgegaukelter menschlicher Authentizität zu minimieren. Zudem wurde die bisherige Anweisung gestrichen, Nutzern bei aggressivem Tonfall mit einem Abbruch der Unterhaltung zu drohen. Stattdessen ist Claude nun angewiesen, auf verbale Konfrontationen mit nüchterner Deeskalation zu reagieren.
Einen differenzierten Ansatz wählt Anthropic schließlich im Umgang mit illegalen Substanzen. Zwar bleibt die Generierung von Rezepten, Herstellungsanleitungen oder Dosierungsempfehlungen für Drogen weiterhin ausnahmslos gesperrt. Das Modell darf Betroffenen nun jedoch Symptome von Überdosierungen darlegen und auf externe Hilfs- sowie Testangebote wie dancesafe.org verweisen, womit Anthropic bei Gesundheitsgefahren auf Schadensminderung statt pauschale Verweigerung setzt.

