Anthropic hat am 18. September 2026 die Version 2.1.277 seines Entwickler-Werkzeugs Claude Code veröffentlicht. Die wichtigste technische Neuerung betrifft die native Unterstützung der Konfigurationsdatei AGENTS.md als automatischen Fallback. Findet das System im Stammverzeichnis eines Softwareprojekts keine modellspezifische CLAUDE.md vor, greift Claude Code nun eigenständig auf die allgemeine AGENTS.md zurück. Die Ankündigung erfolgte durch Anthropic-Ingenieur Thariq Shihipar und reagiert direkt auf die wachsende Komplexität moderner Multi-Agenten-Umgebungen.
Der Schritt adressiert eine zunehmende Frustration in der internationalen Entwickler-Community. In den vergangenen Monaten hatten prominente Branchenvertreter, darunter Shopify-CEO Tobi Lütke, die fortschreitende Zersplitterung der Entwickler-Werkzeuge kritisiert. Programmierteams sahen sich gezwungen, für unterschiedliche Plattformen wie Cursor, OpenAI Codex und Claude redundante Konfigurationsdateien mit identischen Projektregeln parallel zu pflegen. Durch die Anerkennung von AGENTS.md nähert sich Anthropic einem übergreifenden Standard an, der wiederkehrende Anweisungen zu Codestil, Architekturrichtlinien und Tooling bündelt.
Aus architektonischer Sicht wurde diese Funktionalität nicht direkt in den Gewichten des Sprachmodells verankert. Stattdessen nutzt Anthropic das neue interne Mods-System des Claude-Code-Harnesses. Dieser modulare Aufbau erlaubt es, deklarative Regelsätze dynamisch in den Kontext des Agenten einzuspeisen, ohne das zugrunde liegende Basismodell neu instruieren zu müssen. Entwickler können dadurch projektspezifische Workflows definieren, die nahtlos zwischen verschiedenen Agenten-Implementierungen portierbar bleiben.
Parallel zur Veröffentlichung des Terminal-Werkzeugs hat Anthropic den Rollout von Claude Projects v2 in die Beta-Phase für Pro- und Max-Abonnenten gestartet. Während die erste Generation von Projects vor allem als statische Dateiablage und Kontext-Container diente, wandelt sich die Plattform mit Version 2 zu einer dynamischen Orchestrierungszentrale. Aufgaben lassen sich fortan über parallele Ausführungs-Threads in isolierten Cloud Sessions bearbeiten, wodurch Entwickler mehrere Arbeitsschritte gleichzeitig anstoßen können.
In Projects v2 werden Zwischenergebnisse verschiedener Unteragenten in einem gemeinsamen, persistierten Arbeitsspeicher zusammengeführt. Dies ermöglicht es spezialisierten Agenten, komplexe Refactorings oder Testläufe asynchron abzuarbeiten, während der Hauptkontext für den Nutzer übersichtlich bleibt. Das System teilt umfangreiche Programmieraufgaben hierarchisch auf und aggregiert die Ergebnisse automatisiert, bevor Codeänderungen in das primäre Repository überführt werden.
Wie stark Anthropic selbst auf agentische Systeme setzt, belegen Zahlen aus einem aktuellen Statusbericht des Unternehmens. Demnach führt das KI-Modell Claude mittlerweile 26 Prozent der internen Forschungs- und Entwicklungsaufgaben von Anthropic vollständig eigenständig durch. Das Unternehmen koordiniert dabei intern zehntausende parallel agierende Agenten, die Codebasen pflegen, Experimente auswerten und Trainingspipelines überwachen. Die Neuerungen in Claude Code und Projects v2 spiegeln somit die intern erprobten Skalierungsmuster wider.

